Glitzernde Glaspaläste beherbergen die Institutionen der EU. Brüssels Triumphbogen und schönste Jugendstilhäuser stellen sie in den Schatten. Rechnen Sie für diesen Spaziergang ohne Museumsbesuche zwei Stunden.
Englisch mutet die Rue Vautier mit ihren Vorgärten an. In der scharfen Kurve: der Eingang zum Musée des Sciences Naturelles mit seinen eindrucksvollen Dinosaurierskeletten und der Eingang zum Musée Antoine Wiertz, Atelier des größenwahnsinnigen Malers mit einem romantischen Garten (Haus Nr. 62 | Di-Fr 10-12 und 13-17 Uhr | Eintritt frei). Die anschließende Rue Wiertz erdrückt der an den Seiten und oben gerundete Plenarsaal des Europaparlaments. Gegenüber schießen immer mehr Büros aus dem Boden. Unter der Arkade (Nr. 60 Rue Wiertz) befindet sich der InfoPoint des Europaparlaments, wo es - gratis! - Material zur EU im Überfluss gibt.
Von der Rue Belliard lohnt sich ein Schlenker durch den Parc Léopold. Auf dem schroffen Hügelrücken liegen schöne Bauten aus Neoklassizismus, Jugendstil (in der Bibliothèque Solvay manchmal Ausstellungen) und Art déco. Früher forschten hier die besten Zahnärzte, Physiologen, Hygieniker der Freien Universität in aller Muße.
An der Unterseite des Parks führt die Chaussée d'Etterbeek zur beschaulichen Place Jourdan mit netten Gaststätten und einer beliebten Frittenbude. Weiter geht es durch die Rue Froissart. Links ragen die rosafarbenen, marmornen Bauklötze des Consilium getauften EU-Ministerrats auf. Am Rond-Point Schuman überqueren Sie die Rue de la Loi. Vor sich sehen Sie den Berlaymont, den Sitz der EU-Kommission.
Das nächste Gebäude unterhalb in der Rue de la Loi ist der von Helmut Jahn konzipierte Charlemagne mit eleganten Rundungen. Eine anmutige Anlage führt von der Rue de la Loi zur Chaussée d'Etterbeek hinunter. Rechts endet sie am Square Marie-Louise mit Weiher, Fontäne und Grotten. Haus Nr. 3 entwarf der Jugendstilkünstler Victor Horta für eine Privatklinik. Gegenüber (Avenue Palmerston Nr. 4) baute er für den Kolonialminister Leopolds II. das Hôtel van Eetvelde, links um das Hôtel Delhaye erweitert.
Etwas weiter grüßen am Square Ambiorix Nr. 11 die Eisenranken von Gustave Strauvens Jugendstilbau Maison Saint-Cyr. Durch die gepflegten Parkanlagen, die EU-Beamte ebenso wie marokkanische Zuwanderer genießen, führt der Weg zur lebhaften Rue Archimède mit Restaurants, Lokalen (James Joyce ist Brüssels ältester irischer Pub) und Läden aus vielen Ländern. In entgegengesetzter Richtung endet die Rue de la Loi auf der anderen Seite des Rond-Point Schuman etwas ruhiger. Hier steht, vor dem Hintergrund des grandiosen Triumphbogens und der Prachtbauten der immensen Museen, eine rosenumrankte Büste von EU-Gründervater Robert Schuman.
Die schattige Allee, die links vom Eingang zum Parc du Cinquantenaire abzweigt, führt zum Pavillon der menschlichen Leidenschaften (Pavillon des Passions Humaines). Dieser erste Bau des Jugendstilkünstlers Victor Horta umschließt ein gewaltiges Marmorrelief. Die nackten Figuren sind heute so umstritten wie einst, wurde doch neben dem Pavillon 1976 die Große Moschee erbaut. Im weitläufigen Park mit seinen zahlreichen Plastiken entspannt sich an schönen Tagen der gestresste EU-Mikrokosmos. Die Kadetten der nahe gelegenen Königlichen Militärakademie trainieren hier auch bei Regen und Schnee.
An der Ostseite des Parks, schräg gegenüber der gepflasterten Einfahrt zu den Museen, beginnt die Rue des Francs. Bereits von weitem leuchtet die teilweise vergoldete Fassade des Maison Cauchie, eines seltenen Beispiels des geometrischeren Jugendstils. Gegenüber dem spitzen Ende des Parc du Cinquantenaire mit einer Fontäne locken mehrere gepflegte Terrassenlokale, in denen Sie schließlich den Spaziergang ausklingen lassen können.
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