Von allen Brüsseler Bahnhöfen (Midi, Central, Nord, Schuman, Luxembourg) fährt jede halbe Stunde ein Zug nach Namur, die schmucke, reiche Hauptstadt Walloniens (40-60 Minuten). Mit dem Auto sind es 65 km: Autobahn E 411 Richtung Namur/Luxembourg, Ausfahrt 14. In Namur gibt es gute Parkmöglichkeiten am Bahnhof (Gare) und in der Tiefgarage unter der Place d'Armes (ausgeschildert Centre).
Trotz guter Verkehrsanbindungen bleibt die Hauptstadt der Region Wallonien weitgehend unbekannt. Dabei bietet sie Kunstschätze von Weltklasse. In die reiche Geschichte führt das Musée Archéologique ein (Rue du Pont 1). Am Ende der Rue du Pont zweigt rechts die Rue Julie Billiart ab. Hinter der schlichten Backsteinfassade von Haus Nr. 17, dem Kloster der Sœurs de Notre-Dame, verbirgt sich der Schatz von Hugo von Oignies. Der Besucher klingelt, wird von einer betagten Nonne abgeholt und steht plötzlich in einem winzigen Raum mit ein paar schmucklosen Vitrinen. Doch darin glänzen und schimmern die Höhepunkte der europäischen Silberschmiedekunst des 13. Jhs. Die vergoldeten Messkelche und Bibeleinbände, Reliquienbehälter und Prozessionskreuze mit ganz lebendigen Darstellungen von Gott, Christus, Heiligen kündigen bereits die Renaissance an.
Ein kurzer Spaziergang durch die pittoreske Rue des Brasseurs (Nr. 2 das Restaurant Le Temps des Cerises mit deftigen regionalen Spezialitäten) führt zur Rue Fumal. Im stattlichen Palais Nr. 12 ehrt Namur den Künstler Félicien Rops. Der 1833 hier geborene Patriziersohn malte zunächst romantische Ansichten der Maas. Doch dann taten es ihm die Brüsseler Kokotten und die Femmes fatales von Paris an, die Hexensabbate und Schwarzen Orgien. Er wurde zum Illustrator und Freund von Charles Baudelaire und vielen anderen Symbolisten. Das Musée Rops führt glänzend in diese dekadente Welt ein (Juli/Aug. tgl. 10-18 Uhr, Sept.-Juni Di-So 10-18 Uhr | Eintritt 3 Euro | www.museerops.be).
In der Parallelstraße Rue J. Saintraint Nr. 3 locken andere Genüsse: das Hôtel de Groesbeeck-de Croix mit seinem verschwenderischen Rokoko-Interieur. Licht durchflutet die lange Halle mit Blick auf das Wasserbecken im Garten. Rechts und links folgen Salons mit schönstem Stuck und Marmorkaminen. Tapisserien und wunderbar geschnitzte Möbel, Skulpturen und Kristall vermitteln einen Eindruck vom Können der Kunsthandwerker des Namurois. Raritäten sind die Blumengemälde von Pierre-Joseph Redouté.
Die Rue J. Saintraint mündet in die Place Saint-Aubain. Im stattlichen Bürgerhaus Nr. 3 lädt die Brasserie Henry, ein Traditionslokal, zu einer Stärkung ein. Danach fällt die Schönheit der Cathédrale Saint-Aubain erst recht auf. Der Mailänder Architekt Pizzoni errichtete sie 1751-63 in einem Stil zwischen Barock und Klassizismus an der Stelle einer altmodisch gewordenen gotischen Kirche. Nur der Glockenturm blieb übrig. Bemerkenswert sind die Holzplastiken an den Säulen, die die Licht spendende Kuppel tragen, sowie mehrere Gemälde von Schülern Rubens' und Van Dycks.
Von der Kathedrale führt die Rue du Collège zur barocken Saint-Loup, einer schönen, typischen Jesuitenkirche. Die Pater gründeten im 17. Jh. auch die Universität Notre-Dame de Namur, die heute noch Leben in die Provinzstadt bringt. Etwas weiter laden die Cafés um den Marché aux Légumes und die Place de l'Ange zu einer Verschnaufpause ein. Aus kleinen örtlichen Brauereien kommt köstliches Bier wie Blanche de Namur. Doch wartet noch eine Entdeckung, das Kunstgewerbemuseum Musée des Arts anciens du Namurois (Rue du Fer 24). In dem herrschaftlichen Palais mit seinem geruhsamen Garten locken großartige geschnitzte Altäre, reich getriebenes Silber, Meisterwerke des Malers Henri Bles. Zum Verschnaufen empfiehlt sich ein Spaziergang an den Flussufern oder auf die Zitadelle. Fremdenverkehrsamt: Square de l'Europe Unie 3 | Tel. 081/222859 | Öffnungszeiten Museen: Di-So 10-12 und 14-16 Uhr | Eintritt je 3 Euro | www.namur.be
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