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Warum blicken die Buddhas nach Süden? Wissenswertes zum Land im Überblick
Architektur und Städtebau
Chinas alte Baukunst war nur wenig von Stilwechseln geprägt. Vielmehr beruht sie, ebenso wie der Städtebau, auf gleichbleibenden Konventionen und Prinzipien, die Ausdruck eines Weltbildes sind. Besonders klar wird dies in Nordchina: Vom Bauernhaus bis zum Buddhakloster öffnen sich die Hauptbauten nach Süden, zum „größten Yang“, der Sonne, hin, um möglichst viel von dessen positivem Einfluss einzufangen. Auch die schachbrettartigen Stadtgrundrisse entstanden aus dieser Südorientierung. Diese ist eng verknüpft mit dem Prinzip der Symmetrie, das dem Vorbild des Himmels folgt, wo Mond und Sonne ostwestlich symmetrische Bahnen beschreiben. Die Hauptgebäude größerer Wohn- oder Tempelkomplexe stehen darum auf einer Nord-Süd-Achse. Auch Berg und Wasser, das Erhabene (yang) und das Tiefe (yin), werden in Entsprechung gesetzt. Im gebirgigen Süden bestimmen professionelle Wahrsager (Geomanten) das fengshui („Wind und Wasser“) von Bauten und Gräbern, das heißt: deren ideale Lage und Ausrichtung, sodass sich die günstigen Einflüsse sammeln und die unheilvollen, die Armut, Krankheit und Kinderlosigkeit bringen, fernbleiben. Der Kontrast von Berg und Wasser prägt auch die Gartenarchitektur. Der Mensch, so die Idee, soll durch seine Bauten der Harmonie des Kosmos teilhaftig werden.
Die Mitte, wo Ost und West, Yin und Yang, in segensreichem Einklang stehen, ist innerhalb der Gebäude ein Ort von weihevoller Qualität. Hier steht der Thron oder der Altar. Daher sind die Bauten auch Ausdruck einer geistigen wie einer gesellschaftlichen Hierarchie.
Zu einer großen Halle gehören stets Seitengebäude und ein Tor oder eine zweite Halle. Gemeinsam umschließen sie einen Hof. Haupt- und Nebenhallen sind in Holzskelettbauweise errichtet; die Balken, Dachsparren usw. werden ohne Nägel miteinander verzapft. Die Zahl der Säulen an der Schauseite ist stets gerade, sodass ein Mittelfeld als Haupteingang entsteht. Je bedeutsamer ein Gebäude, desto höher ist der Steinsockel, auf dem es steht, desto größer ist die Zahl der Säulen und desto prächtiger ist das geschwungene Dach, das mehr als alles andere das allgemeine Bild chinesischer Baukunst bestimmt hat. Gelb glasierte Ziegel decken ein kaiserliches oder vom Kaiser privilegiertes Gebäude. Tierfiguren auf den Dachgraten halten Unheil vom Bau fern.
Pagoden sind ein mit dem Buddhismus aus Indien gekommener Bautyp. Zur feuersicheren Verwahrung von Reliquien und heiligen Schriften wurden sie meist aus Stein errichtet; als „Kirchturm“ machen sie den heiligen Bezirk weithin sichtbar.
Chinesische Wohnbauten sind regional sehr verschieden. Das Spektrum reicht von den Lösshöhlen des Nordens bis zu kreisrunden Wohnburgen und schmucken Natursteinhäusern in Fujian. Nimmt man die Architektur der nichtchinesischen Volksgruppen hinzu, so ergibt sich eine noch größere Bandbreite, in der sich islamische Traditionen ebenso wiederfinden wie die mächtigen steinernen Tempelbauten Tibets.
Nachdem fast alle historischen Altstädte abgerissen wurden, beherrschen heute gesichtslose Neubauten mit Kachelfassaden die Stadtbilder, die sich von Nord bis Süd zum Verwechseln ähneln. Das moderne China, innovationsfreudig und prestigebewusst, ist andererseits der Liebling der internationalen Architektenszene, die hier spektakuläre Großbauten realisieren darf. Gleich zwei Shanghaier Satellitenstädte (Lingang und Anting) wurden von deutschen Architekturbüros entworfen.