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50000 Schriftzeichen gibt es im Chinesischen - doch niemand kann sie auswendig. Wissenswertes zum Land im Überblick
Architektur und Städtebau
Die traditionelle chinesische Baukunst war wesentlich weniger von Mode geprägt als die des Westens. Vielmehr beruht sie, ebenso wie der Städtebau, auf gleich bleibenden Konventionen und Prinzipien, die ihrerseits Ausdruck eines Weltbilds sind.
Besonders deutlich wird dies in Nordchina: Fast alle Bauten vom Bauernhaus bis zum Palast öffnen sich nach Süden, zum »größten Yang«, der Sonne, hin. Um möglichst viel davon einzufangen, wenden sie ihm die Breitseite zu. Die kalte Nordseite bleibt bei Bauernhäusern meist gänzlich ohne Tür und Fenster. Die Südorientierung wird auch durch die Nord-Süd-Achsen realisiert, wie sie sich in nahezu jedem Tempelkloster und vielen Stadtgrundrissen wiederfinden.
Damit eng verknüpft ist das Prinzip der Symmetrie, das sich an der des Himmels orientiert, wo Mond und Sonne ostwestlich symmetrische Bahnen beschreiben. Die Orientierung nach den Himmelsrichtungen zeigt sich an den Städten im Schachbrettmuster der Straßen und in der rechtwinkligen Ummauerung, wie sie noch heute sehr gut in Xi'an zu sehen ist. Auch Berg und Wasser, das Erhabene (yang) und das Tiefe (yin), werden in Entsprechung gesetzt. Im gebirgigen Süden bestimmen professionelle Wahrsager (Geomanten) die ideale Lage und Ausrichtung von Bauten und Gräbern gemäß der jeweiligen Topografie, sodass sich die günstigen Einflüsse sammeln und die unheilvollen, die Armut, Krankheit und Kinderlosigkeit bringen, fernbleiben. Der Kontrast von Berg und Wasser prägt in künstlerisch variierter Form auch die Gartenarchitektur. All die genannten Punkte bewirken, dass der Mensch durch seine Bauten der Harmonie des Kosmos teilhaftig wird.
Die Mitte, wo Ost und West, yin und yang, Anfang und Ende in segensreichem Einklang stehen, ist innerhalb der Gebäude ein Ort von höherer, weihevoller Qualität. Hier sitzt der Kaiser auf seinem Thron, hier erhebt sich Buddha auf seiner Lotosblüte, hier steht beim Bauern der Ahnenaltar. Daher sind die Bauten auch gleichermaßen Ausdruck einer geistigen wie einer gesellschaftlichen Hierarchie.
Die Mauern, welche die Anwesen umgeben, dienen dagegen dem Schutz und sozialer Kontrolle. »Geistermauern« versperren den Eingang optisch und sollen böse Geister am Eindringen hindern.
Repräsentative Einzelbauten sind in China nahezu unbekannt. Zu einer großen Halle gehören stets Seitengebäude und ein Tor oder eine zweite Halle. Gemeinsam umschließen sie einen Hof. Haupt- und Nebenhallen sind in Holzskelettbauweise errichtet; die Balken, Dachsparren und andere Teile werden ohne Nägel miteinander verzapft. Die Zahl der Säulen an der Schauseite ist stets gerade, sodass ein Mittelfeld als Haupteingang entsteht. Je bedeutsamer ein Gebäude, desto höher ist der Steinsockel, auf dem es steht, desto größer ist die Zahl der Säulen und desto prächtiger ist das geschwungene Dach, das mehr als alles andere das allgemeine Bild chinesischer Baukunst bestimmt hat. Ist es mit gelb glasierten Ziegeln gedeckt, handelt es sich um ein kaiserliches oder vom Kaiser privilegiertes Gebäude. Tierfiguren auf den Dachgraten halten Unheil vom Bau fern.
So gut der Rang eines Bauwerks kenntlich wird, so wenig sagt das Äußere meist über die Funktion oder Nutzung aus. Auffälligste Ausnahme dieser Regel sind die Pagoden, ein mit dem Buddhismus aus Indien gekommener Bautyp. Aus Stein errichtet, dienen sie zur feuersicheren Verwahrung von Reliquien und heiligen Schriften; als »Kirchturm« machen sie den heiligen Bezirk weithin sichtbar.
Anders als die repräsentative Architektur sind chinesische Wohnbauten regional überaus verschieden. Das Spektrum reicht von den Lösshöhlen des Nordens über kreisrunde Wohnburgen und ansehnliche Natursteinhäuser in Fujian bis zu den mächtigen steinernen Tempelbauten Tibets.