„You get your kicks on Route 66“, sang einst Nat King Cole und brachte das Reisegefühl der 1950er-Jahre auf den Punkt. Er besang die legendäre „Mother Road“, die in den 1920er-Jahren angelegte erste Straße im Westen der USA. 3600 km Highway von Chicago nach Los Angeles am Pazifik. Auf ihm zogen die verarmten Farmer aus Oklahoma westwärts nach Kalifornien, und in den 1950er-Jahren reisten auf ihm die ersten Touristen zum Grand Canyon. Heute ist die Nostalgiereise auf den Spuren der Route 66 in zwei Wochen gut zu schaffen.
Von Chicago nehmen Sie am besten die Autobahn I-55 nach Süden - zu mühsam wäre im Vorortgewirr die Suche nach den Resten der Route 66. Doch schon eine Fahrstunde südlich der Metropole liegen - gut ausgeschildert - um Wilmington und Dwight im Norden sowie südlich von Springfield um Litchfield und Mount Olive noch einige alte Teilstücke. Auch altmodische Relikte der Route 66 blieben hier erhalten: etwa die alte Tankstelle von Shea's (2075 Peoria Rd.) und der klassische Diner Cozy Drive-In (2935 S. 6th St.) in Springfield. Wenig später lohnt sich von der I-55 ein Abstecher zu den Cahokia Mounds, gewaltigen indianischen Tempelhügeln aus der Zeit zwischen etwa 700 und 1500.
In St. Louis überquert die Route 66 den Mississippi und führt hinaus in die unendlichen Prärien, quer durch das Herzland des Kontinents. Nächster Stopp: die Tropfsteinhöhlen der Meramec Caverns 5 km südlich von Stanton. Weiter westwärts geht es auf der I-44, die hier dem Verlauf des alten Highways folgt. Vorüber an den Ozark Mountains, der Heimat der Hillbilly-Musik (gute Konzerte in Branson) zieht sich der Highway nach Joplin, hinter dem Sie wieder einige Teilstücke der alten Route 66 befahren können.
Nächster Stopp: Tulsa in Oklahoma, eine klassische, ölreiche Boomtown. Von Oklahoma City aus verläuft die Route 66 parallel zur I-40 schnurstracks gen Westen - über Clinton (gutes Route-66-Museum) in den Norden von Texas nach Amarillo. Gleich westlich der Stadt steht das oft fotografierte Route-66-Kunstwerk der Cadillac Ranch - eine Reihe hochkant gestellter Oldtimer.
Weiter durch die staubigen Wüsten und struppigen Bergketten von New Mexico: Von Santa Rosa aus lohnt ein Abstecher von der I-40 auf der alten Route 66 nach Santa Fe unternehmen, der kunstsinnigen Hauptstadt von New Mexico. Auch westlich von Albuquerque wartet in der scheinbar öden Wüste noch allerlei Sehenswertes: etwa das auf hoher Klippe gelegene Indianerpueblo Acoma und bei Grants einige alte Abschnitte der Route 66 mit verwitterten Tankstellen und neonbeschilderten Billigmotels. Mit ganz ähnlicher Highway-Nostalgie lockt Gallup, das zudem bekannt ist für gut bestückte indianische Kunstgalerien.
Jenseits der Grenze zu Arizona liegt der Petrified Forest National Park an der I-40 mit seinen zu Onyx versteinerten Bäumen. Nicht fehlen darf in Arizona von Flagstaff aus ein Abstecher zum Grand Canyon National Park, der zwei Stunden Fahrt nördlich liegt. Hinter Flagstaff folgt eins der längsten und stimmungsvollsten Stücke der alten Route 66: Von Seligman über Peach Springs nach Kingman und weiter nach Oatman - ein halb verlassenes Bergwerksnest, in dem sogar noch wilde Esel auf den Straßen herumlaufen.
Das letzte Routenstück können Sie entweder über die glitzernde Spielerstadt Las Vegas fahren oder auf der Originalstrecke parallel zur I-40 quer durch die einsame Mojave-Wüste. Von Barstow aus sind es nur noch wenige Stunden Fahrt auf der I-15 bis Los Angeles, wo die Route 66 in Santa Monica am Pazifik endet.
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