Zerrieben, zerscheuert, zerborsten. Im Winter stürmt der „Südwester“ mit rund 100 km/h durch die Namib-Wüste und benutzt die Sandkörner wie Schmirgelpapier. Von der einst reichsten Stadt Afrikas, 20 km östlich von Lüderitz, sind nur noch einige Häuser geblieben, teilweise meterhoch gefüllt mit feinem, goldgelbem Sand. Tante-Emma-Laden, Theater, Turnhalle, Krankenhaus, deutsche Schule, Kino, Eisfabrik, Schlachterei, Villen. Die Wüste hätte sich die Gebäude längst zurückgeholt, wäre die Eigentümerin des verlassenen Städtchens, die Namdeb Diamond Corporation, ihrem Entschluss treu geblieben, Kolmanskop zu räumen. Doch 1980 wurde das touristische Potenzial der zerfallenen Diamantenstadt erkannt. Immer mehr Gebäude werden ausgegraben. Es lässt sich erahnen, welch unglaublicher Wohlstand hier einmal versammelt war.
Im Kasino dürfen Touristen auf der originalen Kegelbahn die Kugel schieben und in einem À-la-carte-Restaurant essen oder sich im Souvenirladen des Kasinos umschauen. Zur Einrichtung gehören das mit Eiche getäfelte Foyer, die Bar, der Beamtenspeisesaal, die Bibliothek. Wer kein Kleingeld hatte, bezahlte seine Drinks mit Diamanten - dazu werden heutige Besucher wohl nur sehr selten in der Lage sein.
Über 300 europäische Wüstenbewohner trotzten ihrer kargen Umwelt größtmöglichen Luxus ab. Sie hatten, neben der Schule und dem Theater, das erste Röntgengerät im südlichen Afrika und eine Stangeneisfabrik. Ab 1911 versorgte eine Gasturbinenanlage die Siedlung mit Strom, ein Schiff brachte monatlich 1000 t Frischwasser aus Kapstadt, Entsalzungsanlagen sorgten fürs tägliche Wasser. Damit das weiße Städtchen funktionieren konnte, wurden 800 Ovambo als Dienstleistungsträger angestellt. Sie lebten in Baracken. Das Diamantenfieber, das diese koloniale Siedlung hervorbrachte, währte nicht lange - 1915 übernahmen die Südafrikaner das Gebiet. 1938 schloss die Mine, 1956 verließ der letzte Beamte den Ort. Danach kamen die Wanderdünen. | Führungen Mo-Sa 9.30 und 11, So 10 Uhr | Tickets (38 N$) bei Lüderitz Safaris & Tours
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